Fastenwandern im Schwarzwald: Tag 1 – die Anreise

Fasten Tag 1

Die Ankunft und das Zimmer

Damit es ein paar Tage lang spannend bleibt, werde ich von meiner Fastenwandererfahrung in Etappen berichten. Alles am Stück wäre auch wirklich zu viel. Die eigentliche Anreise (Taxi – Regionalzug – S-Bahn – Hotelbus) spare ich mir in meiner Schilderung. Ich beginne also gleich bei der freundlichen Begrüßung an der Rezeption und bei der Begutachtung meines Zimmers.
HotelzimmerIch werde wirklich sehr nett empfangen (auch der Hotelbus-Fahrer war schon ein sehr netter, gesprächiger Zeitgenosse) und auf mein Zimmer begleitet. Als ich dieses betrete, bin ich sehr angetan. Ein holzumtäfeltes Einzelbett, ein kleiner Sekretär, großer Schrank, kleiner Tisch mit zwei süßen sehr bequemen Sesselchen und ein oldschool-60er-Jahre-Bad mit wenig Ablagefläche ABER einer Badewanne – sehr angenehm für den Fastenden. Das Tollste kommt aber noch, nämlich der Blick aus dem Fenster (s. Foto oben)!
Der echte, verschneite, märchenhafte Schwarzwald liegt direkt am gegenüberliegenden Hang. Hier werde ich mich wohl fühlen, das ist mir gleich klar.
Nun packe ich also erst mal aus und richte mich ein, unspektakulär. Es ist inzwischen 15:30 Uhr und ich muss noch 1,5 Stunden bis zum ersten Treffen und Kennenlernen warten. Die Zeit verbringe ich mit Lesen. Meine Reise-Lektüre besteht aus drei Büchern von David Foster Wallace (zwei davon angelesen, eines noch jungfräulich) und dem Buch „Der Schrecksenmeister“ von Walter Moers, also das volle Kontrastprogramm. Wie sich erst später herausstellen wird, war beides nicht die beste Wahl …
Eigentlich noch ganz klar im Kopf lese ich also meinen derzeitigen Lieblingsautor DFW, allerdings vor Aufregung nur halbkonzentriert, was der Lektüre ziemlich abträglich ist.

Das Kennenlernen

Irgendwie bekomme ich dann die Zeit immerhin rum und mache mich chic für das erste Treffen. Wir sollen uns im Foyer versammeln. Unten angekommen stehen dort tatsächlich noch ein paar andere Leute genauso wie Falschgeld herum, wie ich. Kein Gespräch kommt auf, jeder schaut verlegen möglichst an den anderen vorbei, was immer schwieriger wird, weil es immer mehr werden. Ich bete, dass die Veranstaltung nicht so verkrampft bleiben wird (und werde erhört!). Ein paar Minuten verspätet erscheint sie dann, unsere Fastenleiterin Aloisia. Einige Teilnehmer begrüßt sie gleich mit Vornamen (es gibt also offenbar Wiederholungstäter) und wünscht allen persönlich ein gutes neues Jahr. Sehr nett. Dann werden wir in den Raum geführt, der in der kommenden Woche unser „Gruppenraum“ sein wird. Der Raum ist zwar groß, aber der Tisch auch und wir sind viele! Daher ist es manchmal ein wenig eng (aber wir werden ja mit der Zeit auch immer schmaler), dafür ist die Atmosphäre schön und das Buffet sehr einladend! Der einzige Nachteil ist, dass wir jeden Morgen am Frühstückbuffet und jeden Abend am Vorspeisen- und Desserbuffet der „normalen“ Gäste vorbeigehen müssen und somit immer schon der Pawlow’sche Reflex ausgelöst wird, kurz bevor wir zu unserem Saft oder unserer Suppe schreiten. Aber darüber kommen wir hinweg! Immerhin sitzen wir nicht im gleichen Raum mit den Essenden – das hatte mir nämlich die Rezeptionistin mit mitleidigem Blick bei meiner Ankunft prognostiziert. „Das wird bestimmt hart!“ waren ihre aufmunternden Worte. Na super …. Hätte die nicht mal jemand briefen können? Aber ich schweife ab.

Wir wollen uns also nun kennenlernen. Dazu stellt sich jeder kurz vor, sagt, wie oft er schon gefastet hat, warum er fasten möchte, was er sich erhofft und wie er auf Aloisia und ihr „Viola-fasten“ gekommen ist (bei mir war’s über die bekannte Suchmaschine, die mich zu www.viola-fasten.de brachte). Nach und nach erhalte ich den Eindruck, dass wir trotz der beachtlichen Gruppengröße von über 20 Leuten eine tolle Mischung sind. Das Alter rangiert schätzungsweise von Mitte 20 bis Mitte 60 und es sind überraschend viele Junge Leute (mit jung meine ich von 25 bis 45), zwei Paare, eine Mutter mit ihrer Tochter, eine aus Amerika extra eingeflogene, es sind erwartungsgemäß viele Frauen, wir müssen uns insgesamt 4 Männer teilen, von denen 2 mit ihren langjährigen Ehefrauen angereist sind. Die verschiedensten Berufsgruppen sind vertreten: Ingenieure, Sozialpädagogen, Kosmetiker, Gastronomen, Optiker, Apotheker, Investmentbanker, BWLer, Druckereiinhaber usw. Das erfahre ich aber erst später, der Beruf spielt bei der Vorstellungsrunde keine Rolle.

Die Henkersmahlzeit

Im Anschluss bekommen wir unsere letzte Mahlzeit vor dem Fasten, die sich allerdings nicht von der Fastenverpflegung unterscheidet. Wir dürfen – ausnahmsweise am Abend – einen frisch gepressten Saft trinken. Allerdings trinken wir diesen nicht, sondern wir löffeln ihn. Es handelt sich um Rote-Beete-Apfel-Saft, und dieser schmeckt himmlisch. Ich muss dazu sagen, dass ich vor dem Fasten drei Entlastungstage eingelegt habe, an denen ich fast ausschließlich ungesalzenen gekochten Reis gegessen habe. Kein Wunder also, dass meine Geschmacksknospen explodieren. Wir löffeln schweigend mit einem Teelöffel unseren Saft und ich erahne schon, dass ich hier vielleicht wieder lernen werde, was Genuss ist. Und weil heute noch kein „richtiger“ Fastentag ist, bekommen wir zu allem Überfluss auch noch ein leckeres Kartoffelsüppchen, das wir ebenfalls schweigend löffeln. Im Nachhinein vermute ich, dass Aloisia mit diesen beiden Mahlzeiten nur unsere Tischmanieren testen wollte, nachhaltig war das Mahl jedenfalls nicht (s.u.). Nach dem delikaten Kartoffelsüppchen hält uns Aloisia einen Vortrag über die Fastenregeln und den Ablauf. Und dann beginnt das Fasten wirklich.

Das Glaubern

Jeder von uns (außer ein paar, die schon vorher mit dem Fasten begonnen hatten) trinkt ein Glas mit einer großzügig bemessenen und von Aloisia höchstpersönlich angerührten Menge Glaubersalz (für die Chemiker und Biochemiker unter uns: Natriumsulfat-Decahydrat). Ich würze meinen Cocktail noch mit Grapefruitsaft, weil ich in den Weiten des WWW gelesen habe, dass dadurch der Geschmack der Mischung wenigstens halbwegs erträglich wird. Man soll ja nicht alles glauben, was im Internet steht, aber diese Information hat sich tatsächlich als wertvoll erwiesen. Ich habe wenig Probleme, die Glaubersalzmischung relativ zügig auszutrinken. Recht salzig/bitter/sauer schmeckt es. Nur danach ist mir ein bisschen übel, aber nicht schlimm. Und dann, ja dann geht’s relativ zügig wieder rauf auf’s Zimmer, weil nämlich irgendwann genau das passiert, was auch passieren soll, nur weiß man eben nie so genau, wann es passieren wird. Klar, ich spreche von der Darmreinigung die sich als „Durchfall“ äußert, der ja aber erwünscht ist. Nur ein leerer Darm stellt seine Tätigkeit ein und sorgt so für ein nachhaltiges Nicht-Hunger-Gefühl (Sattheitsgefühl wäre gelogen), ohne das man das Fasten ja gar nicht durchhalten könnte. Und nur ein leerer Darm (der auch immer wieder künstlich entleert werden muss!) wird mit der Zeit sauber und erlangt innere Schönheit! So ist das nämlich.

An dieser Stelle höre ich für heute auf. Ihr könnt Euch vorstellen, wie ich die folgenden 2,5 Stunden verbracht habe (bei mir setzte die Wirkung zum Glück schon nach einer guten Stunde ein) und völlig leer schlief ich dann irgendwann friedlich in meinem hübschen Bettchen ein und freute mich auf den kommenden ersten richtigen Fastentag und noch mehr auf die Wanderung.

Teaser:
Beim nächsten Mal erzähle ich Euch, wie ein „normaler“ Fastenwandertag abläuft, was das Besondere an den Gläsern im Hotel war, wie Tag 2 ablief und was ein Einlauf ist und wie man diesen durchführt!

3 Gedanken zu „Fastenwandern im Schwarzwald: Tag 1 – die Anreise

  1. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich wirklich alles wissen will, aber ich werde weiterlesen 😉

  2. Das liest sich wirklich alles sehr spannend an, ich finde deine Selbstbeherrschung toll!
    Wo ich allerdings als Zamonien-Fan unbedingt noch nachhaken muss: Wie war das mit dem Schrecksenmeister?

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