Der fatalistische Stoizismus oder die Kunst, das Beste aus der Resignation rauszuholen

So, oder so ähnlich wird der Ratgeber heißen, den ich schreiben werde, wenn ich aus meiner aktuellen Verfassung (hoffentlich) heil wieder heraus bin und mich dazu in der Lage sehe, Vergangenes und Zukünftiges (ach stimmt ja, ich kriege ja demnächst ein Kind…) wieder halbwegs zu reflektieren.

Derzeit lebe ich in einem Zustand des roboterhaften Agierens unter Ausnutzung der größtmöglichen Anzahl an Stunden, die der Tag so zu bieten hat. Zwischen roboterhaftem Agieren und zwanghaftem Abarbeiten des Berges der noch ausstehenden Aufgaben fordern mich Situationen heraus, in denen reflexartiges Reagieren gefragt ist. Sinnieren kommt leider nicht mehr vor, aber Funktionieren steht ganz hoch im Kurs. Eigentlich klappt das ziemlich gut.

Das Ganze findet innerhalb eines Art Countdown-Settings in einem wahnsinnig technischen und somit für mich unkontrollierbaren Rahmen statt, wobei schon klar ist, dass es bei Null erst richtig spannend wird und der nächste Countdown garantiert schon in den Startlöchern steht. Her mit den Herausforderungen!

Es ist mir völlig unbegreiflich, dass ich angeblich in 2 Monaten in den Mutterschutz gehen werde. Da tritt zwar ständig etwas in meinem Bauch rum, aber DIESEN Countdown empfinde ich noch so weit weg, wie etwas nur weit weg sein kann. Genauso wie das Wochenende in Paris in exakt 1,5 Wochen und der Urlaub in Österreich und am Gardasee in genau 2,5 Wochen. Ich kann die Tatsache, dass ich an diesen „Veranstaltungen“ teilnehmen werde, derzeit nicht mit meinem mentalen Status in Übereinstimmung bringen. Ich nehme es bestensfalls zur Kenntnis. Mich interessiert allerhöchstens der Kalendereintrag von morgen, aber viel mehr noch, ob ich in der nächsten Stunde wohl dazu kommen werde, die dringend zu erledigende Aufgabe endlich zu erledigen oder ob ich doch lieber, weil die Uhrzeit es nahe legt, ins Bett gehe – falls mein neues Kind mich schlafen lässt.

Ich habe es natürlich nicht anders verdient. Weil ich tagsüber keinen Gedanken an die Schwangerschaft verschwende,  sorgt der Junge halt nachts dafür, dass er wenigstens irgendwann zu seinem Recht kommt und seine Mutter auf ihn aufmerksam wird. Ich kann eh nicht schlafen. Schlafen wird sowieso überbewertet, genauso wie Urlaub, und ist für fatalistische Stoizisten wie mich insgesamt eher lästig …

Zusammenfassend gesagt: Die Lage ist fatal und absolut unter Kontrolle!

Und wer sich fragt, wann das Gejammer endlich ein Ende hat, dem sei gesagt, dass ich mich derzeit in einem Zustand äußerster Entrückung und Glückseligkeit befinde und bestimmt alles noch schöner wird, wenn ich in die Tatenlosigkeit und Leere des Mutterschutzes eintauchen werde um mein sinnentleertes Leben anschließend wieder – v.a. nachts – mit Babygeschrei zu füllen. Herrlich!

Ein Gedanke zu „Der fatalistische Stoizismus oder die Kunst, das Beste aus der Resignation rauszuholen

  1. Klingt eindeutig danach, dass es höchste Zeit wird, dass dein Arzt dich aus dem Verkehr zieht. Besser gestern als heute.

    Ich selber musste aber auch erst mit einem Heulkrampf an der Arbeit zusammenklappen, bevor ich es kapiert habe.

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