Das Kind und der Kindergeburtstag: Die Party.


Tatsächlich war ich gestern nach der Party zu k.o., um über selbige noch zu berichten, aber – liebe Barbara – um jedem Hohn zuvor zu kommen: Es war grandios. Das Fest war ein voller Erfolg bei den Mädels, aber ich will von vorne beginnen …

Etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Feier rief mich eine der Mamas an und sagte den Besuch ihrer Tochter wegen Ohrenschmerzen bei uns ab. Schade, fand ich, das Kind hatte sich ausgerechnet auf dieses Mädchen so gefreut, andererseits war mir klar: Eine Laterne weniger basteln zu müssen ist sicher auch kein Fehler! In der Hoffnung, dass nicht noch weitere Kinder absagen, warteten wir auf den offiziellen Beginn der Party um 15 Uhr. Bereits eine viertel Stunde vorher kam das erste Mädel mit seiner Mutter an, was nicht schlimm war: Ich war bereit. Am Morgen hatte ich noch einen Kirschkuchen gebacken, mit Schokolade überzogen und das Kind durfte den Kuchen gar selbst dekorieren wie es wollte. Kurz vor Beginn der Feier entschied ich mich außerdem noch, das anspruchsvolle Ziehharmonika-Falten der Fledermausflügel und das Ankleben derselben doch nicht den Kindern zu überlassen, sondern das selbst zu übernehmen. Auch der Mann legte dabei erstes Talent beim Basteln an den Tag, das uns alle noch in großes Staunen versetzen sollte.

Punkt 3 Uhr klingelte es erneut an der Haustür und die anderen beiden Mädels wurden von ihren Eltern gebracht. Weil alle schon so groß waren und wir so wahnsinnig vertrauenerweckend, war der Abscnied kein Problem. Die Eltern zogen ab, die Gackerhühner blieben da, und wir konnten mit dem Programm starten.
Wie geplant ging es los mit dem Kuchenessen. Unser Kind war das einzige, das sein Stück Kuchen mehr oder weniger restlos aufaß, die anderen pickten nur ein wenig anorektisch – wie die Vögelchen – im Kuchen herum. Falsches Rezept? Zu dunkle Schokolade? Zu viele Schaumküsse vor dem Kuchen? Das Gegacker am Kindertisch ließ aber keine Unterversorgung vermuten und hinterließ bei uns die tröstliche Gewissheit, dass es in der Pubertät auf keinen Fall noch schlimmer werden kann. Nach dem Kuchen(nicht-)essen ging es mit dem Basteln los. Nein, es gab KEINEN Streit um die Laternenfarben. Jedes Kind suchte sich einen Laternencorpus in der passenden Farbe Rot, Gelb oder Orange aus und war glücklich. Schnell merkte ich aber, dass es sehr unklug gewesen war, nur drei Prickelsets zu kaufen. Abwechseln und Schichtarbeit sind Arbeitsweisen, die für 5-Jährige offenbar nicht so geeignet sind. Auch sollte man beim Basteln – habe ich nun gelernt – immer mehrere UHU-Tuben bereit halten und am besten auch mehrere Sternenstanzer – das geht aber ins Geld – , sonst wird es stressig. Außerdem haben sich ausnahmslos ALLE Mädels für einen lila Fledermauskopf entscheiden, weil die Tonpapiersammlung weder Pink noch Rosa hergab. Nur der Mann, der die übrig gebliebene Laterne basteln durfte, entschied sich für einen schwarzen Fledermauskopf.
Überhaupt war das Engagement des Mannes beim Basteln spektakulär. Wenn ich gewusst hätte, mit welchem Elan er dabei ist und wie virtuos er mit Glitter-Glue-Stiften umzugehen vermag, hätte ich ihm schon vor einem Monat zu seinem 35. Geburtstag eine Laternenbastel-Party mit seinen alten Pfadfinderfreunden geschenkt. Seine Laterne war – muss ich zugeben – die Allerschönste! Die Mädels brachen nur deshalb vor lauter Neid nicht in Tränen aus, weil der Gruselfaktor doch recht hoch war und die Farbwahl nicht zu der von 5-jährigen Mädchen passt (oben im Bild ist die Laterne des Mannes übrigens links zu sehen).

Nach dem Basteln mussten wir noch ein wenig warten, bis die Glitterköpfe getrocknet und zum Aufkleben bereit waren und es dunkel wurde. Die Mädels testeten so lange das neue Fußballhochbett des Kindes und waren sehr vergnügt und albern miteinander. Eigentlich hätte „freies Spiel“ den gesamten Nachmittag über sicherlich auch wunderbar funktioniert. Aber natürlich waren alle heiß auf das Laternenlaufen. Etwa um 20 nach 5 gingen wir los. Was für ein Anblick und ein Ohrenschmaus. Aus ihrer langen gemeinsamen KiTa-Zeit wurden alle Laternenlieder rauf und runter gesungen, die es gibt. Die Kinder liefen in verschiedenen Formationen, und waren höchst glücklich mit ihren Laternen. Ein Mädchen sagte: „Irgendwie sind diese Laternen cooler als die, die wir in der KiTa gebastelt haben.“ Das war natürlich Balsam auf meine geplagte Bastelseele!
Nach einer Runde um den Block versammelten wir uns im Garten und tranken dort heißen Kirschpunsch mit Orangen und Zimt. Das war lecker. Auf die Frage, warum es keine Würste, wie nach dem Laternenlaufen in der KiTa gibt, antwortete ich, dass unser Haushalt absolut gegen Massentierhaltung und das brutale Abschlachten von Mastschweinen ist und – SCHERZ! Die Antwort lautete natürlich: „Es gibt gleich noch Spaghetti, drinnen!“

Und dort kriselte es mal ganz kurz. Versucht mal 4 Mädels an einem für 4 viel zu großen ovalen Tisch unterzubringen und dabei alle Sitznachbarwünsche zu berücksichtigen. Das geht nicht. Ich apellierte an den gesunden 5-jährigen Menschenverstand der Kinder und bat etwas beleidigt darum, den schönen Tag jetzt nicht durch solche Diskussionen zu versauen. Zu meiner eigenen Überraschung fruchtete mein Apell. Die Kinder aßen ihre Spaghetti wahlweise mit Käse, Pesto, roter Sauce oder Ketchup und viel zu früh standen die Eltern schon wieder vor der Tür. Lange Gesichter bei den Kindern, die am liebsten bei uns eingezogen wären, noch ein bisschen spielen und ein Eis am Stiel herausschinden, dann gingen die Mädchen wieder nach Hause und wir fielen erschöpft aber glücklich aufs Sofa.

Allen hatte es gefallen, einschließlich uns Eltern. Gerne wieder!

Im nächsten Jahr.

2 Gedanken zu „Das Kind und der Kindergeburtstag: Die Party.

  1. Hut ab! Das war ja ein voller Erfolg! Ich freu mich mit euch – ehrlich! Bei soviel Kinderpartytalent könntest du mir ja dann demnächst unter die Arme greifen…. Ben will 8 (!?) Kinder einladen. Vielleicht hat ja auch Jörg Zeit und eine coole Bastelidee ;-)….
    Im Moment denke ich über Essen, Verkleiden/Schminken, Essen, Schatzsuche und natürlich Essen nach (Motto: Piratensause). Neben der großen Anzahl Gäste stehen uns nämlich noch zwei weitere Herausforderungen ins Haus: heterogenes Alter zwischen gerade 4 und fast 6 und Geschlechtermix….. Selber Schuld, ich weiß, aber schön, dass wir seinen Geburtstag überhaupt planen können!

  2. Wann feiert Ihr den Kindergeburtstag?
    Ohne Mist, wenn ich Zeit habe, komme ich gerne und helfe Dir!
    Mach‘ Dir über das Essen nicht so viele Gedanken, Du bist nur traurig, wenn sie nachher nur im liebevoll dekorierten Piratenkuchen rumstochern. Und lass‘ Ihnen Zeit, selbst zu spielen (nach dem Verkleiden). Ich glaube der Altersmix macht nix…

    Mein Bastel-Vorschlag nach wie vor: Augenklappe aus Moosgummi basteln, geht superschnell und ist individuell! Auf die Augenklappe können noch bunte Verzierungen geklebt werden. Für die Mädels ist so auch eine rosa Prinzessinnen-Augenklappe möglich!

    Ich bin auch sehr froh, dass Ihr diesen besonderen Geburtstag mit Ben feiern könnt!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Subscribe without commenting