“Mama, hinsetzen! Spielen!”

Nach 20 Minuten Wühlen in der Legokiste, ist der Lack – vor 12 Stunden erst aufgetragen – fast ab. Sagt das jetzt was über die Qualität meines Nagellacks oder über mein Engagement beim Kinderbespaßen aus? Vermutlich über beides.

Der Junge ist gerade sehr fordernd, er ist jetzt fast 3 Jahre alt und sein Lieblingsspruch lautet: “Mama auch spielen! Hinsetzen!” und das in einem Ton, der keine Widerrede zulässt. So setzt sich also die Mama derzeit vornehmlich neben die Legokisten und wühlt missmutig darin herum.
Warum muss immer ich das machen? Der Mann drückt sich erfolgreich um die eigentlich rein gendermäßig ihm zugeordnete Aufgabe herum, indem er furchtbar dringend noch eine 60 Grad Wäsche aufsetzen muss oder die Spülmaschine einräumt oder ausräumt oder sonst etwas für das Gemeinwohl tut. Ich bin ja wirklich froh, dass ich einen so engagierten Mann im Haushalt habe, aber in diesen Momenten, würde ich liebend gerne selbst den Putzfeudel schwingen und ihm das Spielfeld überlassen. Ich gebe es also hiermit zu: Ich spiele nicht gerne Lego mit meinem Sohn, ich bin eine Rabenmutter.

Das eigentlich Schlimme an der Sache ist, dass der Junge immer will, dass ich alles alleine mache, er gibt höchstens ein paar Befehle zur Umsetzung des jeweiligen Bauprojekts. Und wenn es mir dann irgendwann anfängt, doch ein bisschen Spaß zu machen, weil der Nagellack jetzt eh schon egal ist und ich endlich den letzten schwarzen 2er-Stein gefunden habe, den ich zur Fertigstellung der Ampel brauche, dann folgt in der Regel der Befehl, ich möge jetzt endlich den Anhänger für das Feuerwehrmotorrad bauen, statt mich mit der Ampel aufzuhalten. Der Junge konsumiert mein Legospiel, als würde er im Kino sitzen und hätte dafür bezahlt…

Manchmal aber erwische ich uns dabei, wie wir beide ganz entspannt und versonnen auf dem Boden sitzen, der Junge wurschtelt vor sich hin und ich schiebe eigentlich nur die Legosteine in der Kiste von links nach rechts. Das ist zwar laut, aber irgendwie hat dieses Geräusch auch etwas Beruhigendes und Meditatives. Ich schaufel minutenlang die Steine immer wieder hin und her, rühre gemächlich alles durch, finde ein paar verirrte Playmobilteile, die ich aussortiere, werde sentimental und glaube dann fast, dass es dem Jungen eigentlich ganz egal ist, was ich baue. Er möchte einfach nur, dass ich bei ihm sitze und er merkt, dass ich da bin.

Der Mann, der Junge, das Kind und der Schlüssel

Es ist Freitagmorgen, Aufbruch in den Tag, das Kind muss raus, weil die Schule gleich losgeht, der Mann soll den Jungen zur Kita fahren.
Ich darf theoretisch ein bisschen länger schlafen, weil ich am Vortag wegen einer Dienstreise um 4 Uhr aufstehen musste und wegen des Kita-Elternabends (ja NATÜRLICH bin ich schon wieder Elternbeirätin!) war ich auch erst spät im Bett.

Ich lag also noch im Bett, als das Drama seinen Lauf nahm.
Der Mann: “Wo ist mein Schlüssel?”
Das Kind: “Ich weiß nicht!”
Der Junge steht an der Tür und will endlich los.
Der Mann: “Der Junge hatte ihn gestern, ich habe es klimpern gehört.”
Das Kind: “Ja, und ich habe ihn mit dem Schlüssel gesehen.”
Beide: “Junge, wo ist der Schlüssel?”
Der Junge: “Auto?” (das war die falsche Antwort…)
Hektik bricht aus, es nützt nichts mehr, dass ich so tue, als würde ich schlafen. Ich stehe auf und ziehe mich an.
Der Mann: “Du hattest gestern den Schlüssel zum Aufschließen der Wohnungstür. Hast Du ihn auf das untere Regalbrett gelegt, wo der Junge drankommt?”
Ich: “Ja, vielleicht”
Der Mann: “Na toll!”
Ich: “Ja ok, ich bin Schuld.”
Wir schicken das Kind nach draußen, weil die Schule jetzt wirklich bald losgeht und durchsuchen die Wohnung: Unter Betten, Sofas, Tischen, in Schubladen, Kisten, Schränken, im Müll und in der Wäsche. Nirgends.
Erneut fragen wir den Jungen: “Wo ist Papas Schlüssel?”
Und ernten erneut die Antwort: “Auto?” und dann “Eis!” (Nein, am frühen Morgen gibt es kein Eis)
Wir müssen vorläufig umdisponieren und klären, wer die verbleibenden Schlüssel am heutigen Tag wie nutzt. Hektisch werden Chips entfernt und es wird strategisch überlegt, wer wann wie welches Auto und wann die Wohnung betreten muss – unsere Ersatzschlüssel sind gerade alle bei anderen Leuten.
Wir brechen auf in der Gewissheit, dass der Schlüssel die Wohnung nicht verlassen haben kann – es sei denn, der Junge hat ihn ins Klo geworfen…

Wir machen uns mit dem Auto gemeinsam auf den Weg in Kita und Büro und da kommt uns der rettende Gedanke: Der Junge spielt doch gerade so gerne am Schulranzen des Kindes. Vielleicht hat er ihn da reingeworfen? Das ist der Strohhalm, an den wir uns festklammern.

Am Abend kommt das Kind mit einem strahlenden Grinsen aus der Schule und sagt: “Der Schlüssel war in meiner Tasche!” AUFATMEN!

Just am Abend vorher, als ich noch nichts von unserem bevorstehenden Erlebnis ahnte, erzählte mir eine Mama beim Elternabend, dass der Geldbeutel des Vaters verschwunden und nicht aufzufinden war. Bevor polizeiliche Dienstausweise und andere Unterlagen einen Tag vor der Fahrt in den Urlaub neu organisiert werden mussten, fand die Mama das gesuchte Objekt dann doch noch – im Arztkoffer eines der Sprösslinge!

Der Junge haut jetzt – endlich!

Mal wieder bewahrheitet sich das Sprichwort: Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben!

Gerade eben habe ich noch die Gewaltfreiheit meiner Kinder gelobt, und schon geht alles den Bach runter. Ich brauche mir wohl doch keine Sorgen darüber zu machen, dass der Junge verweichlicht und durch zu viel weibliches pädagogisches Personal in der Kita verzärtelt wird. Er hat jetzt nämlich gelernt, wie man sich wehrt, und das hat er auch bitter nötig, denn seine Schwester, das Kind, kennt keine Gnade…

Der Junge ist jetzt 20 Monate alt und fast kein Baby mehr, das führt dazu, dass seiner Schwester so langsam die Beißhemmung abhanden kommt. Ich finde ja, dass der Junge immer noch aus purem Kindchenschema besteht und einfach nur zum Knuddeln ist, aber bei mir verfangen die Pausbacken und die speckigen Knie wahrscheinlich mehr als bei seiner Schwester.

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Sorry und die Frage nach der Gewaltförderung

Entschuldige, lieber Blog, du wirst nicht gehegt und nicht gepflegt und keiner kümmert sich um Dich. Jetzt sind außerdem noch Ferien und der Traffic hier, in den weiten des WWW lässt spürbar nach. Ich sehe schon, Du vereinsamst! Und ich, Deine Mutter, kümmere mich nicht um Dich. Das ist verwerflich und ich muss sagen: Ja, ich vermisse Dich auch. Brachtest Du mir doch bisher so manch eine schöne Stunde am Abend, die mich beim Schreiben mit Kurzweil erfüllte. Und nun? Verwahrlosung, Einöde, Tristesse … Ich bin untröstlich, kann Dich aber nicht trösten, denn ob hier wieder Leben einkehrt, ist schwer vorherzusehen. Ich versuche, meinen Fingern ein kurzes und müdes Update zu entlocken in der Hoffnung, dass dieser Tropfen auf den heißen Stein Dich ein wenig berührt, aufmuntert und nährt bis zum nächsten Wolkenbruch, auf den wir doch beide so sehr warten.

7.8.2013

Der Junge wurde in der Kita gebissen beim Kampf um das Bobbycar. Wie wir hören, hat er sich zwar nicht ergeben – aber gewehrt hat er sich auch nicht. Bei dem Kind war ich immer froh und stolz, wenn ich sagen konnte: “Sie schlägt NIE! Sie argumentiert!” Bei dem Jungen ist das anders. Erstens fehlen ihm die Worte und ich habe keine Ahnung, wann er zu sprechen beginnen wird. Die große Schwester sagte mit 19 Monaten bereits fließend “Äppete” (Erdbeere), “Lappen” (Achtung, ich habe etwas verschüttet!) und “Apfel” (Apfel). Der Junge sagt nur “(h)eiß”, wobei ich nicht sicher bin, ob er das “h” auch wirklich ausspricht. Halbwegs sicher bin ich mir nur, das “(h)eiß” sein bisher einziges echtes Wort ist, das er sehr flexibel einsetzt. In unterschiedlichen Kontexten kann es bedeuten:

  • Eis (das bedeutet es in 9 von 10 Fällen, dabei steht er vor dem Gefrierfach unserer Kühl-/Gefrierkombi und macht eindeutige Zeigebewegungen mit dem Finger in Richtung der Schublade, in der er das Eis weiß)
  • Essen im Allgemeinen (egal, welche Temperatur es hat)
  • Essen im Speziellen (wenn es heiß ist)
  • heiß (selten auch außerhalb des Mahlzeiten-Kontexts, z.B. heißer Herd – wobei da ja meistens auch Essen drin steht… Hm, sollte ich mir Sorgen über eine mögliche Fixierung aufs Essen mache?)

Der Junge sagt nicht “Mama” und nicht “Papa”. Er sagt “Gecka”, das bedeutet Schwester. Und er sagt “Gai”, das ist der Ball. Alles andere ist meistens “Gaga”.

Es fehlen ihm also noch die verbalen Ausdrucksmöglichkeiten, um sich im Wettkampf um Bobbycars und andere Spielzeuge mit 4 Rädern zur Wehr zu setzen. Aber zurückgehauen oder gar gebissen hat er auch nicht. Ist das jetzt gut oder schlecht? Inzwischen geht man ja davon aus, dass bei uns die Jungs die Leidtragenden in unserer überwiegend von weiblichen pädagogischen Fachkräften besiedelten Erziehungslandschaft sind. Es gibt ganze Bücher, die sich damit beschäftigen, dass Jungen mehr männliche Identifikationsfiguren brauchen und ihnen auch ein männliches Verhaltensrepertoire im Konfliktfall zugestanden werden sollte. Jungs brauchen Raum zum Toben, Schwertkämpfen, Ringen und Raufen. Jetzt frage ich mich, ob es gut war, dass er sich nicht gewehrt hat, oder ob das jetzt schon ein Symptom der Unterdrückung seiner körperlichen Ausdrucksweise ist, weil die einfühlsamen weiblichen Erzieherinnen ihm eingebläut haben und jeden Tag mit verheerenden Folgen für den Jungen vorleben, dass man nicht haut. Andererseits hat sein Kontrahent ja genau die gleichen Erzieherinnen. Ich bin ratlos, entschließe mich aber vorerst dazu, mich mit der Friedfertigkeit des Jungen abzufinden. Peace!

10 Dinge, an denen Du merkst, dass Kinderkriegen doch keine so gute Idee war

  1. Dein Leben besteht nur noch aus Arbeit, Kindern und Trash-TV.
  2. Du gehst nicht mehr aus, und wenn doch, dann wirst Du das ganze Wochenende daran erinnert, dass das nicht mehr zu Deinem Lifestyle passt.
  3. Du überlegst Dir, Dich bei Facebook abzumelden, weil die Statusmeldungen Deiner kinderlosen Facebook-Freunde über ihre Freizeitgestaltung in Dir Gewaltfantasien wecken und Du die süßen Kinderbilder der anderen nicht mehr sehen kannst.
  4. Das letzte Buch, das Du angefangen hast zu lesen, handelt von einer Frau, die ihre Familie verlässt.
  5. An das letzte Buch, das Du zu Ende gelesen hast, kannst Du Dich nicht mehr erinnern.
  6. Du hast nur noch eine vage Vorstellung davon, was die Begriffe “Hobby” oder “Freizeit” eigentlich bedeuten.
  7. Du fragst Dich schon morgens um halb 8, wann die Kinder endlich ins Bett gehen.
  8. Wenn die Kinder im Bett sind, beginnen die schönsten 1,5 Stunden des Tages, dann musst Du auch schlafen.
  9. Berichte von anderen, denen es noch schlechter geht, heitern Dich auch nicht mehr auf.
  10. Dir fällt nix mehr ein, womit Du diese Liste relativieren könntest, außer das hier.

10 Gründe, warum Du unbedingt ein Kind bekommen solltest.

  1. Du brauchst Dich nicht mehr zu fragen, was Du mit Deiner freien Zeit anfangen sollst – Du hast keine!
  2. Du bekommst mehr denn je Gelegenheit, die Nächte durchzumachen.
  3. Du verstehst endlich das Sprichwort “Schlafen kannst Du, wenn Du tot bist”
  4. Dir geht endlich auf, was der 2. Hauptsatz der Thermodynamik mit Deiner Wohnung zu tun hat.
  5. Du brauchst keinen Wecker mehr.
  6. Dein Alkoholkonsum geht zurück – Du fühlst Dich auch “ohne”  jeden morgen verkatert.
  7. Die Rollen sind klar verteilt: Einer schreit der andere ist krank.
  8. Dein Partner denkt ständig das Gleiche wie Du: “Geh’ Du mal!”
  9. Du kannst wieder Pläne für die Zukunft schmieden – das Hier und Jetzt wird sich so schnell nicht ändern.
  10. Jeder bekommt genau das Baby, das er verdient!

Ich behalte mir vor, diese Liste gelegentlich zu erweitern…

Das Kind findet den Jungen schön – noch!

Das Kind (5) heute nach dem Frühstück: “Ich hätte mir keinen besseren Bruder wünschen können, der ist soooo süß, der sieht soooo schön aus!”
Die Eltern freuen sich natürlich über so viel ungebremste Geschwisterliebe dem Baby gegenüber und lächeln versonnen vor sich hin.
Nach ein paar Sekunden schiebt das Kind hinterher: “Schade, dass er einen Bart bekommt!”