Mit dem Kind im Supermarkt.

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Foto: Al Fed

Wir waren heute mit dem Kind (3 Jahre alt!) im Supermarkt, nach KiTA und Arbeit, es war fast halb 5. Schön einkaufen gehen, mit der ganzen Familie, das war unser Plan.

Unsere erste Station war ein kleines Kinderkarussell, in das man Geld einwerfen und dann im Kreis fahren kann. Das Kind wollte unbedingt nacheinander auf allen Reittieren sitzen, zeigte sich dann aber immerhin verständig, als ich es ablehnte, Geld in den Apparat (1 Euro!!) zu werfen. Bei den letzten Karussellfahrten war unser Kind immer das einzige, das gar keinen Spaß daran zeigte und wie am Spieß geschrien hatte, das wollte ich mir sparen (und den Euro auch). Als das Kind sich von dem blauen Elefanten losgerissen hatte, konnten wir die Verkaufszone des Marktes betreten, zumindest fast. Denn dort, wo sonst immer so lustige Einkaufswagen in Form von Autos stehen, in die kleine Kinder sich reinsetzen können, stand – ganz genau: NICHTS. Das Drama schien programmiert, war es für das Kind doch immer DAS Highlight beim Einkaufen, in so einem Wagen zu sitzen. Es ist auch tatsächlich schon vorgekommen, dass wir geduldig darauf gewartet haben, dass ein anderes Kind endlich eines der begehrten Fahrzeuge zurückbringt. Heute aber war kein Bobbycar (wie das Kind die Kinder-Einkaufswagen nennt) weit und breit in Sicht und wir haben es erfreulicherweise dennoch geschafft zusammen mit dem Kind in den Laden zu gehen, ohne Tränen, ohne Geschrei. Ich frage mich allerdings allen Ernstes, ob es wirklich im Sinne der Betreiber sein kann, dass Familien schon VOR dem Einkauf alle Nerven verlieren, weil das Kind erst mal von lustigen Wackelautos oder Mini-Karusells weggelotst werden muss oder Enttäuschungen wegen einer zu geringen Anzahl von Bobbycars verkraften muss. Aber heute hatten wir ja Glück – bis dahin.

Nun ja, wir also rein in den Laden. Erst ein kleiner Abstecher zu den Tchibo-Sachen (dabei eine schicke Yoga-Hose erjagt!) bis wir von dem Kind ermahnt wurden, jetzt mal endlich zum Gemüse zu gehen. Unser Kind is(s)t sehr gesundheitsbewusst (haha! Gummibärchen sind ja so gesund). Gesagt getan. Das Kind half uns hoch motiviert beim Einkaufen, packte Kiwis ein und Radieschen, half beim Verfrachten von Chicoree und Birnen und war ein richtiges fleißiges Lieschen. Wir gaben eine Rama-Bilderbuchfamilie ab und alle Menschen ab 45 Jahren lächelten uns an – noch!

Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir die inspirierende Obst- und Gemüseabteilung verließen, auf jeden Fall kippte unversehens die Stimmung. Der Wagen war schon sehr voll mit empfindlichen Obst- und Gemüsesorten und plötzlich bestand das Kind darauf IM Wagen sitzen zu müssen. Wir haben ihr erklärt – es war ja auch eigentlich offensichtlich, selbst eine Dreijährige musste das einsehen – dass das nicht geht. Es war definitiv kein Platz im Wagen. Aber sie hielt daran fest. Wir schafften es immerhin, den Wagen so umzuräumen, dass der eingebaute Klapp-Kindersitz funktioniert hätte, aber sie wollte nicht im Kindersitz sitzen sonder IM Wagen. Wir wiederholten unsere Einwände während das Kind immer wütender wurde. Gleichzeitig wurden die Blicke der anderen Leute auch immer weniger verständnisvoll. Irgendwann lag das Kind schreiend und zeternd auf dem Boden, rollte sich hin und her und war nicht mehr zu beruhigen. Jetzt musste gehandelt werden, es war eigentlich schon klar, dass nun kein diplomatisches Geschick mehr helfen würde. Ich versuchte es dennoch, schnappte mir die Ziege und sagte ihr, dass sie sich jetzt benehmen müsse oder wir gehen ins Auto und der Papa kauft alleine weiter ein. Diese Ankündigung wiederholte ich noch ein paar Mal (sie gab widersprüchliche bzw. vor lauter Heulen unverständliche Antworten)  und schließlich gingen wir ins Auto (das Kind schreiend auf meinem Arm) und Papa kaufte alleine weiter ein. Ich hatte dann eine tolle Zeit mit einem tobenden Kind auf dem Rücksitz (immerhin war sie im Kindersitz angeschnallt und stellte somit keine Gefahr für sich, mich oder das Auto dar) und versuchte den Lärm mit dem Radio zu übertönen. Ich hoffte die ganze Zeit über nur, dass niemand die Polizei wegen Verdacht auf Kindesentführung rufen würde. Irgendwann kam Jörg mit den Einkäufen und auf der Heimfahrt hatte dann er wiederum eine tolle Zeit mir mir, weil ich so schrecklich genervt war und ihn gerügt habe (um es mal nett zu formulieren), weil er die Schlagsahne vergessen hatte, die ganz oben auf dem Einkaufszettel stand.

Das Kind schlief irgendwann vor Erschöpfung auf dem Rücksitz ein. Sehr süß die Kleine – wenn sie schläft …

4 Gedanken zu „Mit dem Kind im Supermarkt.

  1. Ach ja, daran erinnere ich mich noch wie gestern, und bei mir ist es ein Vierteljahrhundert her. Besonders an die Leute. Schreit das „liebe“ Kleine und gebärdet sich trotzig, bist du eine Mutter die nicht einmal ihr Kind im Griff hat. Wenn du energisch wirst, dann bist du eine Rabenmutter, die nicht verständnisvoll genug auf den kleinen Racker eingeht. Booah, wie oft habe ich mir kleine Handschellen und Knebelchen für das Biest gewünscht. Aber machste ja nicht dran denken, was denn los wäre mit den besserwisserischen Zuschauern.
    Alles Liebe Karin

  2. giggle
    ich schliess mich der vorrednerin an
    mein erklärtes ziel war ja noch in der schwangerschaft
    das kind ist bei allem dabei ins pralle leben miteinbezogen
    bis ich das erste mal den einkaufswagen stehen liess und das kraischende balg heimtrug und dem vater überantwortete
    geheimtipp
    es ist netter vater mit kind rauszuschicken und seelenruhig allein einzukaufen
    also netter für mutter hihi
    allerliebste grüße
    birgit

  3. Ha, ja, auf diese nettere Variante bin ich sogar auch gekommen, allerdings hatte ich meine Handtasche mit EC-Karte etc.. nicht dabei (lag im Auto), also hatte mein Mann das Geld und die Macht und durfte weiter einkaufen. Das nächste Mal werde ich aber sicher daran denken! 😉

  4. Ich mußte sehr lachen, danke. Vor allem, wie Du die schöne Zeit mit dem Kind im Wagen dann an den Mann weitergegeben hast…

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