Fette Beute.

Gestern Abend ging ich nach aufwühlendem, sehr empfehlenswertem DVD-Erlebnis (Der Knochenmann mit Josef Hader) bereits um 23 Uhr ins Bett, um ein paar Stunden Schlaf „reinzuschlafen“. Ich schaltete nach dem Abstecher ins Bad das Licht im Schlafzimmer ein und sah unseren Kater Paul, der lauernd und etwas unentspannt hinter dem Bett auf dem Boden kauerte. „Was suchst Du denn da?“ dachte ich mir – vielleicht sagte ich es auch – und war innerlich schon darauf vorbereitet, unter dem Bett ein wehrloses, kampfunfähiges oder gar schon totes Spitzmäuselein zu finden. Kater essen nämlich keine Spitzmäuse sondern töten sie höchstens zum Zeitvertreib. Entschlossen ging ich also die letzten drei Schritte um das Bett herum, um herauszufinden, was die Aufmerksamkeit meines Katers so gefangen nahm. Vielleicht war es ja auch nur ein Insekt? Mein Blick fiel also auf die Stelle, die auch Paul anstarrte und ich schrie: „Jörg! Oh mein Gott!“ Jörg von unten: „Was denn?“ Ich: „Oh mein Gott! Paul! Warst Du das? Jörg komm‘ her!“ Jörg dachte verständlicherweise, es sei etwas sehr schlimmes passiert.
Aber so schlimm war es dann gar nicht, nur irritierend. Am Fußende unseres Bettes lag die wohl größte Beute, die einer unserer Kater jemals gemacht hatte: Eine Ratte! Brrrrrr! Das schlug sogar den Buntspecht, den die Kater in sehr jugendlichem Alter einmal gemeinschafltich mit nach Hause gebracht hatten.

Ich war etwas entsetzt und überrascht, hatte ich doch bisher verdrängt, dass es in unserer beschaulichen, spießigen Wohnsiedlung Ratten geben könnte. Das Tier selbst war definitiv mausetot, äußerlich unversehrt und eigentlich ganz hübsch, was entweder auf eine natürliche Todesursache (sehr unwahrscheinlich) oder auf eine sehr effektive Kampftechnik unseres Katers (ebenfalls sehr unwahrscheinlich) schließen lässt. Vielleicht war ja letztendlich eine Kombination aus beidem für den fatalen Ausgang des Aufeinandertreffens verantwortlich: Die Ratte hat sich beim Anblick unseres harmlosen und tolpatschigen Pauls einfach totgelacht. Schwaches Herz – kann passieren.
Es blieb mir also immerhin erspart, ein Massaker auf dem Schlafzimmerteppich beseitigen zu müssen. Paul zeigte sich die ganze Zeit über recht gefasst, ihm reichte es offenbar aus, sein Werk mit Genugtuung zu bewundern. Wahrscheinlich war er auch völlig erschöpft von dem Kraftakt, der es gewesen sein muss, die Ratte durch die Katzenklappe im Keller bis nach oben ins Schlafzimmer zu schleppen. Ich hoffe jedenfalls inständig, dass das Tier nicht schon zu Lebzeiten in unserem Obergeschoss heimisch war …

5 Gedanken zu „Fette Beute.

  1. Oh weh, da kann ich Dein Entsetzen verstehen! zwar bin ich Ratten auf unserem großen Grundstück und Futter wegen Enten (früher) und Hühnern (Immer noch) „gewöhnt“, möchte sie aber weiß Gott nicht in meinem Schlafzimmer vorm Bett wiederfinden, auch nicht mausetot…

  2. Kann eine Ratte mausetot sein?

    Hier kommt der Klugscheißmodus: Katzen fressen keine Spitzmäuse, weil sie die umgehend auskotzen – Spitzmäuse beinhalten einen Bitterstoff, der sie ungenießbar macht. Unser letzter junger Kater hat mehrere Anläufe gebraucht, um das zu kapieren – frisch ausgekotzte, auf der Terrasse sofort festgefrorene Spitzmausreste zeugten vorletzten Winter davon. *örgs*

  3. Ich war auch selbst kurz davor, fundiert auszuführen, warum Katzen keine Spitzmäuse fressen. Allerdings bin ich nur auf Laienerklärungen gestoßen… Das mit dem Sekret (Bitterstoff) habe ich auch irgendwo gelesen.

    Aber, auch noch gut zu wissen: Spitzmäuse sind keine Mäuse, sie sind noch nicht mal Nagetiere sondern gehören zur Familie der Insektenfresser – wie Maulwürfe! Sie sehen Mäusen lediglich zum Verwechseln ähnlich. Blöd für sie – und für die Katzen!

  4. Oh, dass Spitzmäuse keine Mäuse sind wusste ich noch nicht. Vielen Dank, da kann ich meine Klugscheißerei gleich mächtig ausdehnen.

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