Auch mal ’ne Kater-Story.

Obwohl ich Geschichten über Haustiere in Blogs eher langweilig finde, muss ich jetzt – mangels ergiebigerer Schreibmasse – auch mal eine Kater-Geschichte loswerden.

Ich habe zwei Kater – manchmal auch drei – und der eine davon, das ist Kater Paul. Paul ist der Kleinere von zwei Brüdern. Der dicke Ole ist ein echter Cowboy und wiegt gefühlte 10 Kilo. Er betont sein äußeres Erscheinungsbild perfekt durch einen coolen Gang, lässige Blicke über die Schulter und einen grimmigen und entschiedenen Ausdruck. Manchmal ist er „aggressiv“, wie das Kind dann, wenn es zu spät ist, unter Tränen feststellt, aber eigentlich möchte er in diesen Momenten nur seine Ruhe, was das Kind nicht versteht …
Paul hingegen ist ein Hänfling, er wiegt gefühlte 2 kg, ist dabei aber weniger der drahtige Typ, sondern vielmehr einer, von dem man denkt, dass er zu viel Haut und Fell abbekommen hat. Der Kopf ist ziemlich klein, was manchmal komisch aussieht. Wir nennen ihn daher auch liebevoll das „Ice-Age-Tier“.
Um Kater Paul geht es hier. Er hat es geschafft. Er hat uns geschafft.
Vor zwei Wochen machten wir uns große Sorgen um ihn, da er träge und schlapp in der Ecke rumhing, kaum noch nach draußen ging und übel aus dem Mund „roch“ – um nicht zu sagen „stank“ (Zahnfleischentzündung?). Wir machten einen Tierarzttermin aus, was beinahe in einem Ehekrach mündete: „Es ist Dein Kater, geh‘ Du!“ „Nein Deiner! Geh‘ Du!“ and so on …. Wir einigten uns darauf, alle zusammen zu gehen, das Kind wollte sich diese Stippvisite zur Berufsfelderkundung nicht entgehen lassen.
Am Abend vor dem Tierarzt sprach ich dem Patienten noch mein volles Mitgefühl aus und erzählte ihm leichtsinnigerweise von dem bevorstehenden Arztbesuch. Das hätte ich besser mal nicht tun sollen, denn der Kater versteht mich. Tiere sollen ja angeblich spüren, wenn etwas im Busch ist, auch wenn es sich um unangenehme Termine handelt und nicht um Mäuse. Am nächsten Morgen also – Ole stand wie immer parat zum Futterfassen – warteten wir auf Paul. Der sonst so zuverlässig nach seiner Futterration gierende Kater tauchte nicht auf. Wir gaben ihm Zeit, der Minutenzeiger der Uhr kroch langsam auf die 9 zu. Schließlich war klar: Wir müssen den Termin absagen. Furstrierend. Wir hätten längst bei der Arbeit sein können. Und wütend war ich:  Wenn der Kerl sich rumtreibt, kann es ja wohl nicht so schlimm sein mit seiner Krankheit.

Am späten Nachmittag, als ich von der Arbeit nach Hause kam, war ich gespannt darauf, wie es Paul geht. Ich ging ins Haus, suchte alle Zimmer ab, aber der Kater steckte nirgendwo. Nun kroch Panik in mir auf. „Was, wenn das arme Tier tatsächlich in seinen letzten Zügen lag und sich zum Sterben zurückgezogen hat?“ (Oder machen das nur Elefanten?) Ich ging nach draußen auf die Suche und horchte an jeder Garage. Schließlich traf ich die Nachbarjungs und erzählte ihnen von der Misere. Irgenwann hörte ich ein klägliche „Miau“. Was war das? „Eine Katze?“ antwortete der clevere Filius von nebenan. Tatsächlich stand Paul auf der Garage und schaute uns an, als ob er von dort nicht mehr herunter käme. Das war allerdings Quatsch, denn er konnte sehr wohl den beschwerlichen Abstieg alleine bewältigen. Ich schnappte ihn mir und nahm ihn mit nach Hause.

Es ging ihm offensichtlich besser, denn seit diesem Zeitpunkt, macht Paul was er will. Vielleicht hat er das vorher schon getan, aber jetzt ist das, was er will, immer genau das, was wir nicht wollen! Er marschiert quer über die ganze Küchenzeile und sitzt bevorzugt auf dem Esszimmertisch. Ständig will er sein zahnschonendes Nassfutter, das wir ihm aus Sorge um sein Zahnfleisch (er „riecht“ immernoch ein bisschen aus dem Mund) übergangsweise angeboten haben und er trinkt am liebsten aus der Spüle – früher war seine Hauptwasserquelle die Toilette, nun gut … Und er lässt sich nicht entmutigen, immer wieder seinen Lieblingsplatz mitten auf dem Esstisch einzunehmen, egal wie oft wir ihn wieder herunter katapultieren.
Was haben wir falsch gemacht? Nichts! Nur der Kater hat verstanden, was sekundärer Krankheitsgewinn bedeutet.

P.S.: Ist es denn tatsächlich so, dass in meinem Leben nichts weiter Erwähnenswertes passiert, als frustrane Erlebnisse  mit meinen Haustieren? Alternativ könnte  ich heute noch von meinem ersten Versuch, rosa Backmischungs-Hello-Kitty-Kekse zu backen berichten. HILFE!!! Kann das Kind mich nicht mal wieder vor allen Leuten in der U-Bahn blamieren? Oder sollte ich einfach wieder mal eine längere Strecke mit der Deutschen Bahn fahren?  Argggh!

Ein Gedanke zu „Auch mal ’ne Kater-Story.

  1. Also, diese Geschichte ist auch beim Lesen (nach der ohnehin sehr anschaulichen Erzählung) noch mal sehr, sehr amüsant (also für mich als Außenstehende!) 🙂

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