Über die Schwierigkeit, einen Kaffee-Frappé zu bezahlen

Kennt Ihr Kaffee-Frappé? Das ist so etwas wie ein Milch-Shake oder ein Smoothie, aber nicht auf Frucht- sondern auf Kaffee-Basis. Also ein kalter, meist ziemlich süßer Milchkaffee mit Crushed Ice fein pürriert. Lecker! Ich liebe dieses Getränk, vor allem im Sommer. Kürzlich haben mein Mann und ich uns beide ein solches Getränk für jeweils 3,50 Euro toGo in der Shopping-Mall um die Ecke bestellt.

Eine gelangweilte Bedienung, deren Haltung einen eigentlich auf dem Absatz kehrt machen lassen sollte, nimmt unsere Bestellung entgegen und mixt uns die Drinks unserer Wahl, was eine Weile dauert. Der Mann will bezahlen und ergreift dabei die Gelegenheit, endlich sein Kleingeld loszuwerden. Etwas peinlich berührt stehe ich daneben, während er die verschiedenen Geldstücke (von 1 Euro abwärts bis 1 Cent) aus seinem Portemonnaie abzählt, um schließlich auf exakt 7,- Euro zu kommen. Um das Ganze wenigstens etwas übersichtlicher zu gestalten und meine latente Genervtheit in etwas Konstruktives zu verwandeln, baue ich ordentliche Türmchen aus den Geldstückchen und gruppiere sie zu Ein-Euro-Einheiten. Irgendwann nähert sich uns die Bedienung mit den fertigen Getränken und der Mann schiebt ihr das Geld auf dem Tresen in der Manier eines Croupiers entgegen.

Sie: „Haben Sie’s nicht größer? Das kann ich nicht nehmen!“
Der Mann: „Wieso, das ist doch Geld.“
Ich (stolz): „Das passt so ganz genau! Ist exakt abgezählt“
Sie: „Das bekommen wir nicht gewechselt.“ Wir runzeln die Stirn und verstehen nicht.
Der Mann (sehr ungehalten): „Das nehmen Sie bitte jetzt, das ist in Deutschland gültiges Geld.“

Ich sehe schon meine Stamm-Bezugsquelle für Kaffee-Frappé schwinden, ich werde mich dort nicht mehr blicken lassen können, wenn das so weitergeht, und möchte am liebsten im Erdboden versinken.

Die Bedienung holt sich Unterstützung in Form einer zweiten, ebenso gelangweilt wirkenden Servicekraft. Der Mann ist total gereizt. Die Unterstützung erkennt den Ernst der Lage, winkt der Bedienung gegenüber ab und signalisiert ihr mit verdrehten Augen, dass Sie nachgeben und unser Geld nehmen soll.

Sie nimmt die Kohle und sagt: „Aber nächstes Mal zahlen Sie bitte nicht so klein.“
Der Mann: „Nächstes Mal kommen wir nicht mehr!“
(Ich denke: „Ich WILL aber wiederkommen!“)

Wir ziehen ab, immerhin MIT unseren bezahlten Shakes in Händen. Ich frage mich, ob ich dem Mann oder der Bedienung die Schuld an der unerfreulichen Situation geben soll. Ich entscheide mich für die Bedienung, da muss ich wenigstens nicht mit dem Mann streiten. Wir fragen uns, was die wohl täglich mit ihren Bareinnahmen machen und ob die Banken heutzutage keine kleinen Geldstücke mehr annehmen, weil das eh nur Peanuts sind…

Zwei Wochen später: Ich habe die Gelegenheit, mir diesmal ohne Begleitung erneut einen Kaffee-Frappé bei besagter Anlaufstelle rauszulassen. Ich bin ja nicht nachtragend. Schon von weitem checke ich die Lage hinter dem Tresen. Es ist keine der Damen unserer letzten Begegnung zu sehen. Ein fast motiviert aussehender junger Mann räumt auf und kümmert sich um den Service. Die Luft ist rein, ich kann mich dem Objekt der Begierde (dem Kaffee, nicht dem Mann!) nähern.

Er (auf dem Weg zu sitzender Kundschaft): „Ich bin gleich bei Ihnen!“
Ich: „Macht doch nix!“ (Häh? Habe ich das wirklich gesagt? Macht doch nix?)
Er (kommt zu mir): „Was darf’s sein?“
Ich: „Einen Kaffee-Frappé bitte!“

Er macht sich auf dem Weg zum Mixer, während ich die Lage in meinem Geldbeutel sondiere. Was für ein Glück, ich habe gar kein Kleingeld, das mich in Schwierigkeiten bringen könnte.

Er reicht mir das Getränk: „Macht dann 3,50 Euro.“

Ich gebe ihm einen 20-Euro-Schein.

Er: „Haben Sie’s nicht kleiner?“
Ich (erst sprachlos, dann entsetzt, aber bestimmt): „Nein, diesmal nicht!“

Ich werde den 20-Euro-Schein los und bekomme auch angemessenes Rückgeld ausgehändigt (nein, nicht in Eincentstücken!) und mein Getränk schmeckt, wie gewohnt, vorzüglich. Ich nehme mir vor, beim nächstes Mal meinen Kaffee-Frappé mit der Kreditkarte oder per PayPal zu bezahlen. Bargeld scheint die Dienstleister von heute etwas zu überfordern…

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