Auch andere Kinder haben Adventskalender.

Ich bin beruhigt! Offenbar bin ich nicht die einzige Mutter, die seltsame Adventskalender-Marotten bei ihrem Kind beobachtet. Meine Freundin Bärbel berichtet mir nach der Lektüre des letzten Blog-Beitrags, dass ihr Sohn nicht weniger absonderliche Riten pflegt.

Er sammelt nicht den Inhalt des Adventskalenders, nein, den isst er schon sofort auf… Dafür hebt er aber die Papierchen der Süßigkeiten auf und archiviert sie fein säuberlich. Das sieht dann ungefähr so aus:

Danke, Bärbel, für das schöne Bildmaterial!

Das Kind und der Adventskalender.

Das Kind hat in diesem Jahr 7 Adventskalender:

  • Den großen Heißluftballon-Kalender mit den Filzsäckchen.
  • Einen Schoko-Adventskalender.
  • Einen Bildchen-Adventskalender von Glückssachen.
  • Einen Leo Lausemaus Mini-Buch Adventskalender.
  • Einen Adventskalender, der in das Cover des Müller-Dorgeriemarkt-Prospekts integriert ist.
  • Einen in der KiTa selbstgemalten Adventskalender.
  • Einen für den Jungen selbst gebastelten Adventskalender (den das Kind stellvertretend für den Jungen öffnet).

Nun regt sich in mir die leise Befürchtung, dass das vielleicht zu viel sein könnte. Ich verfolge den Türchenstatus nicht so richtig, aber schon seit ein paar Tagen werden mir die Mini-Bücher aus dem Leo-Lausemaus-Kalender nicht mehr zum Lesen vorgelegt. Der Schoko-Kalender wird – wenn ich es richtig mitbekomme – immerhin regelmäßig geöffnet und die Schokolade darin sofort verzehrt, so wie es sich gehört. Was mit den Bildchen-Kalendern passiert, weiß ich nicht. Und der Säckchen-Kalender? Nun ja, das ist so eine Sache. Ich habe etwa 5-6 verschiedene Arten an Süßigkeiten, die ich mit schöner Abwechslung in die Säckchen fülle. Manchmal ist auch etwas Besonderes dabei (ein Knisterbad oder ein Lippenstif-Lutscher). Das Problem ist: Das Kind hortet den Inhalt des Adventskalenders, statt sich damit die lange Wartezeit bis Weihnachten zu versüßen, was ja eigentlich das Prinzip eines Adventskalenders ist. Stattdessen landet der Inhalt mit schöner Regelmäßigkeit in einer riesigen Tupperschüssel.

Und weil er da landet, und somit immer sichtbar ist, wird das Kind zunehmend unzufrieden mit der Auswahl der Süßigkeiten: “Da ist immer das Gleiche drin!” heißt es dann mit vorwurfsvoller Mine. Ich erkläre dem Kind: ” Wenn Du die Sachen nicht isst, so wie jedes normale Kind, dann musst Du Dich nicht wundern! Andere Kinder freuen sich jeden Tag, dass sie etwas Süßes bekommen und Du kannst Dich gar nicht mehr freuen, weil Du so viel hast und es nie isst.” Das Kind entgegnet mir: “Ich will halt etwas sparen, damit ich bei meinem nächsten Geburtstag meinen Freundinnen etwas abgeben kann.” Ich (entsetzt): “Dein nächster Geburtstag ist im nächsten November!!”

Irgendwie bin ich ja auch stolz, dass das Kind in seinen jungen Jahren bereits so sparsam und reflektiert ist und hingebungsvoll an ihre Freundinnen am nächsten Kindergeburtstag denkt – wahrscheinlich weil ihre Mutter bei Festivitäten immer zu wenig Süßigkeiten bereitstellt. Andererseits finde ich es aber auch beunruhigend, wenn ein Kind die Süßigkeiten, die es bekommt, nicht isst, sondern hortet. Das ist doch nicht normal, oder? Haben wir dem Kind vielleicht zu wenig Urvertrauen mitgegeben und es fürchtet, dass eine Hungersnot ausbrechen könnte, der man nur mit Hochkalorischem begegnen kann?

Ich weiß es nicht… Wenn ich in die Plastikschüssel schaue, wird mir schlecht und ich denke mir “Mein Gott, wer gibt denn seinem Kind so viele Süßigkeiten?” Aber ich schwöre: Das sind die Nikolaus- und Advents-Süßigkeiten der letzten 4 Wochen!! Alle unangetastet und von dem Kind konservativ in Tupper angelegt als Kapital für bevorstehende Notzeiten oder vielleicht einfach nur, weil Besitzen so viel schöner ist als Konsumieren.