Rezension: Anständig essen (von Karen Duve)

Nach „Tiere Essen“ von J.S. Foer habe ich mir das entsprechende deutsche Pendant zu diesem Buch zugelegt. Die Autorin hat in einem Selbstversuch nacheinander 4 verschiedene Ernährungsweisen getestet und das ganze Experiment sehr erfrischend dokumentiert und beschrieben.
Jeweils zwei Monate lang (später auch länger) erprobte sie sich in folgenden „anständigen“ Ernährungsformen:

1. Bio (Fazit: Bio ist teuer und bietet fast alles an Ungesundem, was man auch in Nicht-Bioqualität erhält.)
2. Vegetarisch (Fazit: Auch von vegetarischer Kost kann man zunehmen!)
3. Vegan (Fazit: Erfordert enorme Umstellungen, die nicht nur die Ernährung betreffen. Aufwändig, aber moralisch sehr erhebend!)
4. Frutarisch (Man isst nur, was Pflanzen „freiwillig“ hergeben, also keine Wurzeln oder Pflanzenteile, deren Entnahme die Pflanze töten. Fazit: Wenn man auf den Verzehr von mehreren Packungen Studentenfutter pro Tag verzichten kann, hervorragend zum Abnehmen geeignet.)

Im Laufe ihrer „Radikalisierung“ wird sie immer sensibler für die Erzeugung unserer Lebensmittel und merkt langsam, dass sobald man sich einer Sache bewusst wird, der Weg zurück immer schwieriger wird. Sie steigt mir Tierrechtsaktivisten in Geflügelfarmen ein um eine Handvoll federlose Tiere zu befreien und entsorgt in ihrem Haushalt – im Zuge der veganen Phase – alles, was aus Leder oder anderen tierischen Ursprungs ist. Gleichzeitig findet sie sich in dem Dilemma, selbst Tiere zu halten und fragt sich, ob sie als Veganerin nun auch ihre Katze vegan ernähren und den Parasitenbefall ihres Maultiers wohlwollend hinnehmen muss. Sie stellt fest, dass es gar nicht so einfach ist, vegane Produkte überhaupt zu finden, dass es aber immerhin – für Frauen sehr wichtig! – eine große Auswahl an synthetischen Schuhen gibt. Das Ganze ist sehr amüsant geschrieben und ich habe mich an vielen Stellen wiedergefunden. Eine absolut unterhaltsame und empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich schon immer mal mit ihrer Ernährung auseinandersetzen wollten. Das Buch macht richtig Lust darauf, das Experiment nachzuahmen. Vielleicht werde ich demnächst einmal mit Sufe 3 beginnen, dazu müsste ich dann allerdings auch den Fisch weglassen, wobei ich das genau genommen jetzt schon, auf  Stufe 2, müsste … Schwierig. Und Sojamilch im Kaffee habe ich gerade wieder ausprobiert, das ist zum Abgewöhnen. Dennoch, einen Versuch wäre es wert, denn ich bin mir wirklich nicht sicher, wie sinnvoll es ist, die Säuglingsnahrung von Kühen zu verzehren und den Kälbern vorzuenthalten. Komisch auch, dass die meisten sich vor menschlicher Muttermilch ekeln, aber ohne mit der Wimper zu zucken tierische Muttermilch von x-beliebigen Kühen konsumieren. Die Haltungsbedingungen von Milchkühen sind auch nicht besten und überhaupt ist der Großteil der Menschheit enzymatisch überhaupt nicht darauf eingerichtet, Kuhmilch zu trinken. Ich werde bei diesem Thema weiter am Ball bleiben.

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