WORTdealer fragt ihren Apotheker.

Im Wellness waren wir Mädels alle krank und statt Shoppen zu gehen, haben wir einige Apotheken in Oberstaufen besichtigt und dort den ein oder anderen Euro gelassen. Schon beim Verlassen der ersten Apotheke fiel mir ein, dass ich noch ein Fläschchen Nasenspray für Erwachsene gebrauchen könnte. Das Kinderzeug zeigte inzwischen kaum noch Wirkung … In der zweiten Apotheke nahm mich zu diesem Anliegen ein netter Apotheker in Empfang.

Ich: „Ich brauche bitte Nasenspray für Erwachsene, aber nicht das teure Otriven!“
Er: „Das hier?“ und zeigt mir eine Flasche Ratiopharm-Spray.
Ich: „Da gibt’s doch noch etwas billigeres, oder? Hauptsache es ist Xylometazolinhydrochlorid drin!“ (das kann ich aussprechen, ohne mich dabei zu verhaspeln!)
Er: „Hier habe ich noch was von AL.“ Widerwillig holt er die günstigere Alternative aus dem Lager. „Sie wissen schon, dass man das nicht zu lange nehmen soll?“
Ich so (augenzwinkernd): „Ja, ich nehme es nicht lange, sondern nur hoch dosiert! Ist das auch ein Problem?“
Er so (augenhochziehend): „Naja, sie müssen selbst wissen, was Sie machen.“
Ich: „Wissen Sie, das ist halt eine so geile Droge!“ (Ja, das habe ich wirklich gesagt, ich war halt voll „druff“, ein bisschen Wirkung zeigte das Kinderspray schon noch)
Er vermeidet den Blickkontakt und weiß nicht, was er sagen soll.
Ich: „Oje, ich will Sie ja auch überhaupt nicht zu einer Aussage hinreißen. Vielen Dank!“ und verlasse den Laden – natürlich hatte ich zwischenzeitlich gezahlt.

Was will uns dieses Verkaufsgespräch sagen?

  1. Apotheker versuchen Dir immer erst den teuren Kram anzudrehen.
  2. Apotheker informieren Dich nur über die Dinge, die Du eh schon weißt.
  3. Offenbar ist beim Kauf von billigen Generika die Beantwortung der Fragen an den Arzt oder Apotheker zu Risiken und Nebenwirkungen nicht im Ladenpreis mit einkalkuliert, sondern nur der Packungsbeilage zu entnehmen.
  4. Andeutungen eines Missbrauchsvorhabens werden billigend in Kauf genommen (ein Glück bin ich eine so verantwortungsvolle Patientin!).
  5. Hauptsache die Kohle stimmt.

Aber es ist ja irgendwie auch klar, dass bei der Menge an Apotheken, die es inzwischen gibt, die Inhaber wahrscheinlich nur noch überleben können, wenn sie ihren Stoff auch an die verzweifeltsten Abhängigen abgeben und verticken.

Inzwischen habe ich übrigens keine Ahnung mehr, wie ich von dem Zeug wieder runterkommen soll! Ich frage mich, ob meine völlig zu geschwollene Nase Resultat fortgesetzten Nasenspray-Abusus ist (nach einer guten Woche schon?), oder ob mir immer noch irgendwelche Viecher in den Nebenhöhlen sitzen, die sich auch durch Antibiotika nicht haben vertreiben lassen.
Ich bin in der Zwickmühle: Noch mehr Nasenspray = freie Nase aber totales Abrutschen in die Sucht; kein Nasenspray = Schaffung eines wunderbaren, anaeroben Feuchtbiotops innerhalb meiner Sinus paranasales (Lateiner mögen mich mit dem Genitiv beglücken) mit möglichem Krankheitsrezidiv. Na, dann nehme ich doch lieber die Sucht, oder?

Eine etwas heikle Frage lag mir ja spontan noch auf den Lippen, aber ich habe mich im Angesicht des hochgradig verstörten, medizinisch geschulten Verkaufsberaters nicht getraut, sie zu stellen. Ich frage mal hier: Also man sagt ja, dass die Darmschleimhaut Wirkstoffe besonders gut und effektiv aufnimmt und durch die Umgehung der Leberpassage (siehe First-Pass-Effekt) der Wirkstoff auch in größerem Ausmaß in den Körper gelangt (= größere Bioverfügbarkeit). Ihr ahnt es schon, ich spreche vom Suppositorium oder auch Zäpfchen. An dieser Stelle muss ich mich outen: Ich bin ein bekennender Zäpfchen-Fan, vor allem bei Kopfschmerzen, die von Übelkeit begleitet sind – und nicht aus Gründen eines Lustgewinns oder so (alle Leser, die über schweinische Suchanfragen auf diesen Artikel gestoßen sind, muss ich an dieser Stelle enttäuschen!).
Nun frage ich mich seit dem Erlebnis in Oberstaufen immer wieder, was mir der Apotheker auf die Frage, ob es Nasentropfen nicht auch als Zäpfchen gibt oder (ebenfalls nett) als Spray mit rektaler Applikation, wohl geantwortet hätte? Wäre er vollkommen verstummt? Hätte er mir mit ernster Mine erklärt, dass es durchaus wichtig ist, den Wirkstoff aus dem Nasenspray mit den richtigen Schleimhäuten in Kontakt zu bringen? Hätte ich sein Humorzentrum erreichen können und ihn gar zum Lachen gebracht? Wir werden es nie erfahren. Aber irgendwann werde ich mich furchtbar langweilen und dringend ein wenig Erheiterung brauchen. Dann werde ich mich auf den Weg machen, eine Apotheke aufsuchen und mit großen, unschuldigen Augen sagen: „Ich vertrage Nasenspray nasal so schlecht, haben Sie das auch als Zäpfchen da?“

3 Gedanken zu „WORTdealer fragt ihren Apotheker.

  1. Ich lach mich schlapp!!!
    Übrigens war ich heute auch mal wieder in der Apotheke. Wir brauchten dringend Plastikhütchen für unser Ohren-Thermometer. Das war bei uns in letzter Zeit im Dauereinsatz und das allerletzte Plastikhütchen im Begriff, mit den verschiedenen Ohrengeschmälzern zu reagieren und sich aufzulösen….
    Außerdem schläft mein Mann seid Tagen wegen verstopfter Nase schlecht bis gar nicht (?) und ist nun so durch, dass er bereit ist, die Suchtgefahr (und das bei ihm mit dem Einsatz von Nasenspray verbundene Gefühl einer „zu freien“ Nase und ausgetrockneten Schleimhäuten??? Verstehe einer die Männer….) billigend in Kauf zu nehmen. Also habe ich in der Apotheke auch nach einem Nasenspray gefragt. Die freundliche Apothekerin hat dann gefragt, ob es gleichzeitig auch pflegend wirken, also ein Austrocknen der Schleimhäute verhindern solle. Für meinen Mann nur vom Besten, habe ich mir da gedacht und das vermutlich teuerste Nasenspray im Sortiment erstanden: NASIC. Hoffentlich macht’s die Nase frei und nicht sick…
    6 Euro sollte einem der erholsame Nachtschlaf und die freie Nase des Mannes schon wert sein, finde ich.

  2. Haha, das ist ja mal cool! Das Thema Nasenspray gibt ja richtig was her!
    Ich hoffe, Dein Mann schläft bald wieder gut und behält ein rosig gepflegtes, auf keinen Fall „zu freies“ Näschen!

  3. Ich kaufe Nasenspray gleich im 5er Pack und bekomme so ziemlich jedes Mal eine Belehrung über die Abhängigkeit von Nasenspray.

    Im Gegenzug erkläre ich dann, dass wir ein 5 Personen Haushalt sind, in dem aus hygienischen Gründen jeder sein eigenes Fläschchen bekommt.

    Der Genitiv zu Sinus ist „Sini“; soweit ich weiß, werden lateinische Begriffe im deutschen aber nicht latein dekliniert. Das „Sinus“ bereits auf „s“ endet, bleibt es bei „des Sinus“.

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